Zur Kongruenz von Weiblichkeit und Tod
Habe dieses Essay schon letztes Jahr geschrieben für ein Seminar über Tod und sexuelle Bildung. Grade habe ich das wiederentdeckt, und weil "Zeug posten, das ich für die Uni schreibe" anscheinend etwas ist, was ich jetzt mache, darf das hier natürlich nicht fehlen.
Die Idee war, systemtheorethische Überlegungen mit feministischer Theorie zu verbinden um mal zu schauen, was dabei rauskommt. Der Text ist sehr lang und meandert ein bisschen, aber ich war ganz zufrieden damit.
In „Nur über ihre Leiche” interpretiert Elisabeth Bronfen ein Schema Lacans, dass das Geschlechtsverhältnis (das bekanntlich kein Verhältnis ist) konzipiert als sexuelle Differenz und dabei ein Konzept von Weiblichkeit formuliert, in dem die Frau nicht-eins, nicht-alles und nicht existent ist.1 Dieses Schema bewegt sich nicht nur auf einem Abstraktionsgrad, der es erlaubt, über die Form, die Differenz der Geschlechtsdifferenz selbst nachzudenken, sondern wirft auch die Frage nach dem auf, der dieses Schema zur Beobachtung nutzt.
Ich möchte die Gelegenheit dieses Essays nutzen, mich der Frage nach der Geschlechtsdifferenz auf einem anderen Weg zu nähern. Ausgegangen werden soll nicht von einer psychoanalytischen Theorie sexueller Differenz, sondern von einer systemtheoretisch inspirierten Unterscheidungstheorie.
Dieses Essay trägt den Titel „Versuch” (habe es abgegeben als "Versuch zur Kongruenz von Weiblichkeit und Tod") aus gutem Grund. Es verbindet grundverschiedene wissenschaftliche Strömungen – psychoanalytischen Differenzfeminismus und Systemtheorie. Ob diese Verbindung fruchtbar sein kann, muss sich im Folgenden zeigen. Aufgrund des beschränkten Umfangs können viele Probleme nur angeschnitten, die meisten Aspekte nur in groben Linien skizziert werden.
Grundlage für die folgenden Überlegungen bildet Niklas Luhmanns Text „Frauen, Männer und George Spencer-Brown”, der 1988 aus seinen Auseinandersetzung mit der 1982 in Bielefeld gegründeten Interdisziplinären Forschungsgruppe Frauenforschung hervorging. Auf dieser Basis wird zunächst eine formale Fassung von Differenz überhaupt vorgestellt, an die eine Untersuchung der Unterscheidung von Mann/Frau aus Perspektive der luhmannschen Unterscheidungstheorie anschließt. In einem zweiten Teil wird sich – über einen systemtheoretischen Umweg – der Frage nach der Verbindung der Unterscheidung von Mann/Frau und der Unterscheidung von Leben/Tod gewidmet.
George Spencer-Brown legte 1969 mit den Laws of Form (LoF) ein logisches Kalkül vor, das lediglich auf der Operation des Unterscheidens basiert.2 Ziel der LoF war die Konstruktion einer Proto-Mathematik, die sich an Wittgenstein orientiert und dabei versucht, Elemente des Formalismus und des Intuitionismus zu integrieren.3
Die LoF beginnen mit einer einfachen Anweisung: Draw a distinction! Diese Unterscheidung ist die Form – eine Grenze zwischen zwei Seiten. Jedes Unterscheiden ist zugleich das Bezeichnen einer Seite dieser Unterscheidung. Um auf die andere Seite der Unterscheidung zu wechseln, muss die Grenze zwischen den Seiten überschritten werden, dieses crossing verbraucht Zeit. Der Form ist damit eine fundamentale Asymmetrie eingebaut, die Bezeichnung ist immer die Bezeichnung einer präferierten Seite. Das Kalkül der LoF basiert auf diesen fundamentalen Operationen, die stets zusammenfallen: auf dem Unterscheiden und gleichzeitigem Bezeichnen. Luhmann nennt die Einheit dieser Unterscheidung von Unterscheidung und Operation eine Beobachtung.
Zusätzlich erlauben die LoF, dass eine Unterscheidung in sich selbst wieder eingeführt wird. Der re-entry der Unterscheidung auf eine Seite des Unterschiedenen macht es möglich, dass eine Unterscheidung sich selbst als anderes behandelt. Man kann zum Beispiel nach der Wahrheit der Unterscheidung von Wahr und Falsch fragen oder männliche und weibliche Männer unterscheiden. Und jede Beobachtung, jede Unterscheidung ist ja selbst immer schon die Unterscheidung ihrer selbst von einem unmarked space, also eine in eine Unterscheidung eingeführte Unterscheidung.
So wird es mit den LoF möglich, einen Beobachter zu denken, von dem die Unterscheidungen ausgehen. Spencer-Brown schließt mit der Formulierung, „[…] dass die erste Unterscheidung, die Markierung und der Beobachter nicht nur austauschbar sind, sondern, in der Form, identisch” (66): die primäre Disjunktion, die erste Unterscheidung ist nichts anderes als ein Beobachter.4
In ihrem Text „Jenseits von Sex und Gender” bestimmt Tove Soiland den Begriff der sexuellen Differenz durch einen Vergleich mit dem Gender-Konzept Judith Butlers. Gemeinsam ist beiden Ansätzen, dass sie Geschlecht nicht biologisch begründen, sondern an die Psychoanalyse anschließen.
Für Butler bestimme die Sprache zwei Positionen, die zur Annahme einer geschlechtlichen Identität zwingen. Innerhalb dieser zweigeschlechtlichen, heterosexuellen Matrix in der Sprache wird Identität produziert.
Für Jacques Lacan und Luce Irigaray unterschieden sich die männliche und weibliche Position nicht in der Sprache, sondern sind durch eine Asymmetrie im Verhältnis zur Sprache (zur symbolischen Ordnung Lacans) überhaupt bestimmt. Im Anschluss an die freudsche Psychoanalyse bestimme Lacan den Ödipuskomplex und die symbolische Kastration als Eintritt in die Sprache, der nur für die männliche Subjektposition stattfindet.5 Das Weibliche ist dann gar nicht der sprachlichen Funktion unterworfen und wird gefasst als Sprachfunktion des Männlichen.
Lacans Ansatz ist also im Gegensatz zur Theorie Butlers gerade davon gekennzeichnet, dass das (männliche) Subjekt (durch die Sprache) stets daran scheitert, eine Identität anzunehmen. Der Eintritt des Subjekts in die symbolische Ordnung wird begriffen als grundsätzliche Enteignung, das Subjekt als Gespaltenes findet seine Einheit höchstens in Bildern. Die Gender-Theorie – und Soiland formuliert das hier fast als Vorwurf – verwechsle aus Sicht Lacans das Bild, in dem das Subjekt seine Einheit sucht, mit dem Subjekt selbst.6
Ziel der Theorien der sexuellen Differenz ist also nicht eine Erklärung der Bildung von Identitäten. Stattdessen wird die Differenz, die Unterscheidung selbst, Gegenstand der Untersuchung. Sexualität ist dann fassbar als Strukturerfahrung (nämlich der sexuellen Differenz der Geschlechter) des gespaltenen Subjekts, die Strukturerfahrung als subjektbildend.
Geschlecht kann so als gleichzeitig strukturiert und strukturierend7 begriffen werden. Ich stelle mir aber die Frage, ob über diesen Zugang umstandslos Aussagen über Geschlecht als gesellschaftliche Struktur gemacht werden können.
Perspektive der Psychoanalyse ist stets das einzelne Subjekt, das einzelne Bewusstsein. Erschlossen wird über den Ödipuskomplex und seine Äquivalente immer nur die Erfahrung der Geschlechtsdifferenz, nicht die Differenz an-sich. Der Ödipuskomplex würde also nicht den Eintritt des Subjekts in die gesellschaftliche Ordnung beschreiben, sondern die Erfahrung des Eintritts in die gesellschaftliche Ordnung eines Subjekts. Was Lacan symbolische Ordnung oder Sprache nennt, wäre die Gesellschaft, wie sich sich je einem Individuum zeigt. Aussagen über die Gesellschaft als solche dürften dann (nur) mit dieser Theorieanlage gar nicht möglich sein. Die Systemreferenz, der Beschreibungsgegenstand der Psychoanalyse, wäre stets das einzelne Bewusstsein.
Wie die Psychoanalyse beschreibt auch die Systemtheorie nicht die Gesellschaft an-sich (wie sollte das auch möglich sein?) sondern Perspektiven (und sei es auch die eigene) auf sie (oder ihre Erscheinung). Zentral ist dabei die Beobachtung von Beobachtungen, also die Beobachtung der Unterscheidungen anderer Beobachtungen durch die Unterscheidungen der Systemtheorie.8 Systemreferenz sind dabei aber nicht Bewusstseine: In der Grundlegung der Theorie wird von jedem „Subjekt”, jedem Menschen abstrahiert. Zentrale These Luhmanns ist, dass die Gesellschaft – der Gegenstand der Systemtheorie – nicht aus Menschen, sondern aus Kommunikationen besteht.9 Die dann von der Theorie beobachteten Beobachter sind soziale (Sub-)Systeme.
Die Beobachtung von Beobachtungen erübrigt eine Auseinandersetzung mit der Genese von Unterscheidungen. Während psychoanalytische oder psychoanalytisch inspirierte Theorien nicht einfach feststellen können, dass es eine sexuelle Differenz gibt, sondern auch klären müssen, wie es zu dieser Differenz kommt, reicht es der Systemtheorie festzustellen, dass mit der Unterscheidung von Mann/Frau operiert wird, also dass andere mit oder in dieser Differenz beobachten.
In „Frauen, Männer und George Spencer-Brown”10 schlägt Luhmann der Frauenforschung die Verwendung des Kalküls der Form vor, um ihr Verhältnis zu ihrem Beobachtungsgegenstand und ihre logische Struktur zu klären. Nach einer kurzen Einführung in die LoF versucht Luhmann zu zeigen, welche Konsequenzen für die Forschung ihre Anwendung auf die Unterscheidung von Mann/Frau hätte. Interessant ist für diese Arbeit insbesondere die Veränderung der Relevanz der Unterscheidung in der Entstehung der modernen Gesellschaft. Die Grundlinie Luhmanns Argumentation soll im Folgenden kurz zusammengefasst werden.
Oben wurde schon festgestellt, dass jeder Unterscheidung durch die Bezeichnung einer Seite eine fundamentale Asymmetrie eingebaut ist. Aber Asymmetrie bedeutet nicht umstandslos Hierarchie. In der Semantik Alteuropas war es, so Luhmann, üblich gewesen, dass Unterscheidungen immer als Unterscheidungen in einem Ganzen behandelt wurden, dem „das, was die Unterscheidung unterscheidet, als Teil angehört[e]”. Differenzen konnten nur aus einer Einheit entstehen, „in der das, was die Einheit war, als Gegenteil seines Gegenteils wiedervor[kam]”. Beispielhaft dafür sei die Erschaffung Evas aus den Rippen Adams: Adam geht Eva voraus, bewahrt eine Kontinuität zum Ursprung und hat deswegen einen Vorrang und steht in der Hierarchie über Eva. Er ist nicht das Ganze, aber repräsentiert das Ganze im Ganzen. Gleichzeitig werden in so einem Modell momentane Inversionen der Asymmetrie möglich, ohne die Hierarchie zu stören. Es kann Situationen geben, in denen Frauen Vorrang vor Männern haben, es gibt Frauen, die Männer an Geist und Fähigkeit übertreffen, aber das verändert das Verhältnis der Teile zum Ganzen nicht.11
Plausibel wird diese Semantik durch eine Gesellschaftsstruktur, die wirklich Positionen bereitstellt, von denen eine konkurrenzfreie Repräsentation des Ganzen möglich ist. Das betrifft Gesellschaften, die in Zentrum und Peripherie differenziert sind und solche, die sich stratifizieren, also Rangordnungen ausbilden. Das Zentrum des Imperiums, die Spitze der Rangordnung (zum Beispiel ein König von Gottes Gnade) repräsentiert die ganze Gesellschaft, ohne dass das in Frage gestellt werden könnte. Im Gegenteil: der Genuss (!) von Vorzugspositionen ist hier gerade das Moment ihrer Rechtfertigung.12
Diese grundsätzliche Repräsentationsasymmetrie wird in die Schichten und Familien kopiert. Repräsentation bleibt dabei stets Sache des Mannes, während der Frau die Funktion der Reproduktion zugeschrieben wird – die dann auch nur diese repräsentiert.13
Die Asymmetrie der Unterscheidung Mann/Frau wird außerdem bearbeitet in einer an Vorbildern orientierten Tugendmoral. Dabei wird die Moral in eine männliche und in eine weibliche Ausführung differenziert, mit je unterschiedlichen Anforderungen. Gerade in Bezug auf die Damen werden diese Anforderungen hochgetrieben, und die Realität lässt sich dann gerade im Verfehlen dieser Anforderungen sehen.
„Gerade das Lob der Frauen kann dann als Schema der Diskriminierung angesetzt werden mitsamt wohlmeinender Kenntnisse über ihre besonderen Gefährdungen und Schwächen. […] Es braucht gar nicht gesagt zu werden, dass die Frauen schlechter sind als die Männer, und das kann vernünftigerweise auch gar nicht gesagt werden, wenn beide ihre Seelen von Gott erhalten. Es ergibt sich erst aus einem Umkehrschluß, im Vergleich von Ideal und Realität.”14
Bis hierhin schreibt Luhmann nichts, was der feministischen Theoriebildung neu wäre. Womöglich sind diese historische Betrachtung und die Theorien sexueller Differenz sogar kompatibel und man könnte sich fragen, ob nicht die Repräsentationsasymmetrie eine soziologische Fassung der fehlenden symbolischen Existenz der Frau ist.
Allerdings sind diese Betrachtungen auf eine untergegangene Gesellschaftsform bezogen. Mit dem Einbruch der Moderne und der Ausdifferenzierung von Funktionssystemen, die ihre Umwelt durch ihnen eigene Codes (eine spezielle, hoch technisierte Art der Unterscheidung) beobachten, wird nicht nur dem Tugendschema, sondern auch der Semantik der Hierarchie zwischen Männern und Frauen jede Plausibilität entzogen. In der funktional differenzierten Gesellschaft gibt es keine Positionen mehr, von denen das Ganze im Ganzen repräsentiert werden kann.15 Vielmehr wird die Unterscheidung von Ganzem und Teil selbst fragwürdig. Die moderne Gesellschaft, schreibt Peter Fuchs, hat keine Adresse. Sie ist unerreichbar und damit nicht mehr repräsentierbar, sondern polykontextural, heterarchisch und hyperkomplex.16
Repräsentation durch den Mann kann unter diesen Bedingungen nur noch Selbstrepräsentation sein.17 Wenn die Unterscheidung von Mann/Frau nicht mehr einfach positionsbestimmend wirken kann, stellt sich die Frage, welcher Sinn ihr überhaupt noch zukommt, und wie jetzt mit der ihr inhärenten Asymmetrie umgegangen wird.
Zwar können Funktionssysteme die Unterscheidung von Mann/Frau aufnehmen, aber sie bleibt stets übercodiert durch die Leitunterscheidungen des Funktionssystems. Frauen brauchen aus medizinischen Gründen andere Behandlungen als Männer oder Männer verdienen aus wirtschaftlichen Gründen mehr Geld als Frauen. Es gibt kein Funktionssystem, das auf Basis der Unterscheidung von Mann/Frau operiert (was nicht heißt, dass es keine Unterschiede mehr oder Gleichheit zwischen Mann und Frau gibt). Luhmann fällt nur die Familie ein, die aber gerade auf der Nichtunterscheidung von Mann/Frau und stattdessen auf Liebe aufbaut.18
Stattdessen wird die Unterscheidung eine Form der Querbeobachtung, die in Distanz zu den Codes der Funktionssysteme steht. Luhmann konzipiert sie als qualitatives Dual, dass Unterscheidungen mit einer aufs Ganze bezogenen Hintergrundsemantik ausstattet und dritte Möglichkeiten auf natürliche Weiße abstößt (wir kommen darauf zurück).19 Als solche strukturiert sie die Beobachtungsweise der feministischen Bewegung, deren Ziel ist, Gleichheit zwischen Männern und Frauen herzustellen.
In der stratifikatorischen Gesellschaft hatten alle einen ihnen durch Gott zugewiesenen Platz, und nur insofern waren alle gleich. Erst wenn dieses Modell zerbricht und Positionen nicht mehr von Natur aus besetzt sind, wird die Forderung nach Gleichheit überhaupt möglich.20
Aber ein Gleichheitszustand ist extrem unwahrscheinlich. Sobald eine Seite der Unterscheidung bezeichnet wird, ist sie bevorzugt und damit ungleich. Auch die feministische Bewegung muss deswegen einen Umgang mit der Asymmetrie entwickeln. Luhmann nennt hier drei Strategien: Resymmetrierung, in dem selbst Bevorzugungen beansprucht werden; Temporalisierung, in dem die zu erreichende Gleichheit immer in die Zukunft verschoben wird und schließlich das Verschieben der Bezeichnung immer dahin, wo Ungleichheit besteht. Dann dient „[d]ie Unterscheidung von Männern und Frauen […] nur noch dazu, Ungleichheiten festzustellen”.21
Grundsätzlich sieht Luhmann für die Unterscheidung Mann/Frau eine Form der Bistabilität, in der beide Seiten der Unterscheidung anschlussfähig sind. Die Asymmetrie der Unterscheidung kann unter diesen Bedingungen von Operation zu Operation die Seite wechseln und Luhmann stellt sich die Frage, wie mit diesem „Chaos der Situationen” umgegangen wird. Vielleicht ist die feministische Bewegung eine Variante, hier Strukturen zu bilden, also Möglichkeiten einzuschränken.
Die Folgen, die Luhmann daraus für die Geschlechterforschung ableitet, können hier nicht entfaltet werden. Stattdessen soll sich der Unterscheidung Mann/Frau noch einmal auf formalem Weg genähert werden, um dann die Kongruenz von Weiblichkeit und Tod zu betrachten.
Im Anschluss an Luhmanns Interpretation der LoF entwickelt Dirk Baecker das Konzept des Katjekts. Katjekte sind ein Fall von Differenz22, die im Formkalkül entfaltet werden kann. Sie übersetzen eine Identität A in die Differenz von A und B in einem Kontext C. Sie sind weder Subjekt noch Objekt und Subjekt und Objekt zugleich.23
Man nähert sich hier dem, was bei Adorno unter negativer Dialektik verstanden wird: dem Auseinandergewiesen-sein von Subjekt und Objekt, der Nicht-Identität von Begriff und Ding. Das Katjekt erlaubt die simultane Darstellung einer Identität als Nicht-Identität.
Die Unterscheidung, also die Form der LoF, ist im Katjekt zugleich Negation und Implikation. Baecker schreibt auch von einer „inklusiven Negation”24 und in Bezug auf Julia Kristevas „Die Revolution der poetischen Sprache” von einem Verwerfen, das den verworfenen Term enthält und jenseits der Logik einen poetischen Raum der poiesis, der Herstellung eröffnet. Das Katjekt zeigt, was Spencer-Brown Koproduktion nennt: „Was ein Ding ist, und was es nicht ist, sind, in der Form, identisch gleich.”25
Baecker stellt seine Katjekte als mathematische Gleichungen dar und nutzt dabei zwei Symbole:

für die Unterscheidung selbst, wobei der horizontale Strich die „negierte”, also bezeichnete Seite markiert und

für den re-entry der Unterscheidung in eine Seite der Unterscheidung. Diese Symbole lassen sich auf verschiedenste Weise miteinander kombinieren und ineinander verschachteln, sodass selbst hochkomplexe Unterscheidungen als Katjekt dargestellt werden können.
In seinem Text nutzt Luhmann den Begriff der Kongruenz, um zu beschreiben, wie die Unterscheidung von Mann/Frau mit dem Moralschema Tugend/Laster zur Übereinstimmung gebracht wird, aber ohne den Begriff der Kongruenz näher zu bestimmen.26
Das Katjekt kann hier helfen, weil die Form der Unterscheidungen in seiner mathematischen Darstellungsweise deutlicher sichtbar wird, als in nur sprachlichen Beschreibungen. Kongruenz soll im Anschluss an den geometrischen Begriff der Kongruenz heißen, dass Unterscheidungen deckungsgleich sind, also die Operationen der Unterscheidung und des re-entry auf die gleiche Weise ordnen.
Die Unterscheidungen von Mann/Frau und Leben/Tod können also als kongruent betrachtet werden, wenn sie in Katjekten der gleichen Form dargestellt werden können.
Mein Vorschlag für ein Katjekt der Unterscheidung Mann/Frau folgt zunächst Beauvoir, deren These, dass die Frau nur Projektion des Mannes sei, leicht in das Vokabular der LoF umformuliert werden kann. Beauvoir bemerkt, dass Frauen keinen Mythos des Mannes haben, wie die Männer einen Mythos der Frau. Die Frauen „[…] haben keine Religion und keine Dichtung, die ihnen selbst gehört […]“.27 Die Frau wird immer mit dem Phänomen des Anderen identifiziert, aber das Selbe braucht das Andere, um seine eigene Identität zu bilden. Die Frau ist notwendige andere Seite der Unterscheidung vom Mann und damit Teil jeder Einheit, die aus dieser Differenz hervorgehen könnte. Damit – und das ist die Motivation für Beauvoirs Untersuchung der mythischen Konjunktion von Weiblichkeit und Tod – wird die Frau ins Fleischliche, Materielle und darum auch Sterbliche verortet. Gleichzeitig befindet sich der Mann dadurch auf der Seite des Immateriellen und Lebendigen.
Deutlich wird hier insbesondere, dass die Frau nur durch ihr Verhältnis zum Mann bestimmt wird. Im Anschluss an Baeckers Bestimmung des Katjekts und im Rückgriff auf Lacan lässt sich sagen, dass die Identität des Mannes in eine Differenz von Mann und Frau übersetzt wird. Die Frau wird nicht nur vom Mann unterschieden, sondern vom Mann vom Mann – mit dem Katjekt darf man vielleicht sagen: vom Mann im Mann – unterschieden.
Lacan liefert dafür die psychoanalytische Begründung. Die Frau existiert nicht – sie ist nur eine Phantasie des Mannes. Die Frau ist nicht-eins, sie hat eine Position neben dem Mann und im Mann. Die Frau ist nicht-alles, sie repräsentiert das Äußere, das Äußerste.28

Hier zeigt sich auch, warum das eingangs erwähnte Schema Lacans aus Sicht der Differenzfeministinnen überwunden werden muss. Es ist das Schema eines Beobachters, der die Geschlechtsdifferenz aus seiner Sicht fasst. Aus feministischer Perspektive braucht es eine Beobachterin, die die Geschlechtsdifferenz aus ihrer Sicht beschreibt. Hier könnte man das Projekt Beauvoirs verorten.

Sichtbar wird hier nicht nur die grundlegende Asymmetrie, die jeder Unterscheidung inne liegt, sondern durch den re-entry auch, dass die Unterscheidung schon von einer ihrer Seiten ausgeht. Es macht einen Unterschied, ob die Unterscheidung Mann/Frau von einem Mann oder von einer Frau gemacht wird. Es gibt also eine männliche und eine weibliche Perspektive, ein männliches und ein weibliches Erleben der Geschlechtsdifferenz, die wiederum aus männlicher und weiblicher Perspektive beobachtet werden können. Es muss demnach daraum gehen, die verschiedenen Unterscheidungsweisen der Unterscheidung Mann/Frau zu unterscheiden – und wenn das Anliegen ein feministisches ist, kann mit dem re-entry gezeigt werden, dass diese Unterscheidung von Unterscheidungen auszugehen hat von einer Seite dieser Unterscheidung: der weiblichen. In einem Katjekt kann diese Unterscheidung von Unterscheidungen vielleicht so dargestellt werden:

Erreicht wird dieses Reflexionsniveau zum Beispiel in den Schriften Irigarays. Dass die Unterscheidung von Mann/Frau für jede der Seiten der Unterscheidung eine andere Bedeutung hat, wird besonders in ihren historischen Studien in Speculum deutlich. Die Frau ist für Irigaray nicht nur ein zweites Geschlecht, sondern wirklich Anderes, sie nimmt eine Beobachterposition ein, die mit der Männlichen inkommensurabel ist. Ihre Forderung nach einer dezidiert nicht männlich-phallogozentrischen Sprache, nach Hetero-Sozialität lässt sich verstehen als Realisation genau dieser Position, die aus weiblicher Sicht die Unterscheidung der Unterscheidungsweisen von Mann/Frau unterscheidet.
Deutlich wird, dass eine Kongruenz von Weiblichkeit und Tod nur in einer bestimmten Hinsicht auf die Unterscheidung von Mann/Frau (und Leben/Tod) gesehen werden kann. Nur wenn die Unterscheidung Mann/Frau so beobachtet wird, wie sie vom Mann ausgeht – so dass die Frau seine Negation ist, die ihn gleichzeitig impliziert, kann von einer Kongruenz von Weiblichkeit und Tod ausgegangen werden. Wie der Tod nur lebend, nur vom Leben aus beobachtet werden kann, kann die Frau nur aus der männlichen Perspektive beobachtet werden. Aus der Beobachterperspektive der Frau muss sich das Verhältnis dieser Unterscheidungen notwendig anders gestalten.

Die Frage nach dem inhaltlichen Verhältnis von Weiblichkeit und Tod bleibt bis hierhin offen. Ihr kann sich vielleicht aus differenzierungstheoretischer Perspektive genähert werden. Einige grundsätzliche Überlegungen dazu sollen den Abschluss dieses Essays bilden.
Systeme nutzen zur Beobachtung ihrer Umwelt je einen binären Schematismus, den Luhmann als Code einführt. Der Code eines Systems schließt jeden dritten Wert und jede Möglichkeit, anders zu beobachten, aus und schränkt unendliche Möglichkeiten ein auf zwei durch Negation aufeinander bezogene Operationen.29 Recht wird durch Negation zu Unrecht, Unwahrheit durch Negation zu Wahrheit …
Oben wurde bereits erwähnt, dass die Unterscheidung von Mann/Frau, obwohl sie ein binärer Schematismus ist (sie kann oder konnte dritte Werte ausschließen, beide Seiten sind durch ein Negationsverhältnis aufeinander bezogen), nicht zum Code eines Funktionssystems und stattdessen eine Form der Querbeobachtung wird.
Einen ähnlichen Status hat die Unterscheidung des Innen eines Systems von seinem Außen. Das Außen kann im Innen – und das verdeutlicht die Figur des re-entry – nur nach den Maßstäben des Innens behandelt werden. Systeme können ihre Umwelt nur in sich selbst behandeln (das Postulat der Autopoiesis), nur in Distanz zu ihr stehen. Sie können nicht aus sich selbst heraus. Deutlich werden die Konsequenzen dieser Unterscheidung besonders gut in Luhmanns Ökologie, die Luhmann in seiner “Ökologie des Nichtwissens” als ökologische Differenz beschreibt30.
Es liegt nahe, zunächst nach einer Verwandtschaft zwischen der Unterscheidung von Innen/Außen und der Unterscheidung von Leben/Tod zu suchen.
Freud formuliert den Todestrieb als Drang des Organischen zur Wiederherstellung eines früheren Zustandes, welchen dieses unter dem Einfluss äußerer Störungskräfte aufgeben musste31 und damit als Fall des fechnerschen Stabilitätsprinzips, das besagt, dass alle Bewegung oder Änderung von begrenzter Dauer sei. Das Stabilitätsprinzip ist verwandt mit dem Energieerhaltungssatz (dem ersten Hauptsatz) der Thermodynamik. Ganz ähnlich nimmt Eduard von Hartmann in seiner Psychologie Bezug auf den Entropiesatz (den zweiten Hauptsatz) der Thermodynamik, um ein psychisches Entropieverlangen zu formulieren. Ohne das hier weiter ausführen zu können, wird für die weiteren Ausführungen vorausgesetzt, dass Todestrieb und Entropieverlangen zwei Hinsichten auf das gleiche Phänomen sind. Wie der Todestrieb beschreibt die Entropie eine inhärente Tendenz zur Auflösung, Zerstörung, zum Zerfall. Wie dem Tod imaginiert man sich als der Entropie ausgeliefert, sie als physisches Faktum, aus dem es keinen Ausweg gibt.32
Schon Georg Hirth hatte mit der Ektropie einen Gegenbegriff zur Entropie vorgelegt und auch für Erwin Schrödinger stellte die Entropie eher ein Problem dar als eine zutreffende Beschreibung der Welt. Wie ist zu erklären, dass es – obwohl der zweite Satz der Thermodynamik gültig ist – Leben gibt?33
„Schrödinger solved his puzzle by recasting organisms as thermodynamic systems that extract “orderliness” from their environment in order to counteract increasing entropy. This idea entailed a curious conclusion: the fundamental divide between living and non-living was not to be found between organisms and machines but between order and chaos. For Schrödinger, entropy became a measure of disorder.”34
In ähnlicher Absicht hatte Norbert Wiener die Kybernetik gegen die im Entropiesatz beschriebene Auflösungstendenz gegründet. Die informationstheoretische Formulierung des Entropiesatzes bei Shannon und Ashby erlaubt seine Anwendung dann nicht mehr nur auf thermodynamische Systeme, sondern jedes System, das sich als Informationssystem modellieren lässt.35 Die Systemtheorie Luhmanns versteht sich im Anschluss an diese Konzepte als Kybernetik zweiter Ordnung, also als Kybernetik, die ihre Methoden und Konzepte auf sich selbst anwendet und daraus Erkenntnisse generiert.
Der Entropie wird jetzt eine Negentropie entgegengesetzt, die Ordnung – nicht im statischen, sondern im aktiven Sinn – bedeutet. Negentropie kann verstanden werden als Systembildung, und wenn man Luhmann folgt und Systeme als Unterscheidung ihrer selbst von einer Umwelt konzipiert, als Praxis der Unterscheidung überhaupt. Ordnen hieße dann Unterscheiden und Entropie ließe sich fassen als Tendenz zur Ungeschiedenheit, als Gefahr des Rückfalls in eine vorgängige Einheit.
Luhmann verharrt auf der Ebene des Gesellschaftssystems. Ihm stellt sich die Entropiefrage (dann gefasst als Frage nach der Wahrscheinlichkeit des Unwahrscheinlichen) insbesondere als Frage nach der Anpassbarkeit der Gesellschaft an ihre Umwelt. Vielleicht liegt hier die Möglichkeit für einen Blick auf die Verwandtschaft von ökologischer und sexueller Differenz, die über eine Mutter-Erde-Konzeption hinaus geht, denn das Problem der Unterscheidung in Abgrenzung zu einer vorgängigen Einheit unter ständiger Gefahr eines Rückfalls ist auch das Problem des Ödipuskomplexes.
Die Differenzierung des (Bewusstseins des) Kindes von der Mutter könnte sich auf basaler Ebene36 als Problem der Unterscheidung, der Differenzierung, des Bewusstseins des Kindes von der Mutter fassen lassen. Überlegungen in diese Richtung sind zum Beispiel die von Melanie Klein geprägte Objektbeziehungstheorie und, später und deutlich kybernetisch inspiriert, Felix Guattaris Reinterpretation des Fort-Da-Ritornells als Wunschmaschine, die sich nicht auf oral-mütterliche (Freud) oder sprachliche (Lacan) Stauung beschränken lässt, sondern beschrieben werden muss als „Hin und Her […] zwischen dem Chaos und der Komplexität”.37
Festzuhalten ist, auch ohne eingehendere Betrachtung dieser Ansätze, dass die Tendenz zur Entdifferenzierung des Kindes von der Mutter als basale Entropie durch ständige Unterscheidung, man möchte von Differenzierungsarbeit sprechen, bekämpft werden muss. Eine Auflösung der Unterscheidung von Mutter und Kind, ein Rückfall des Kindes in die Mutter würde seinen Tod bedeuten.
Die Implikationen dieser Überlegungen gerade für die Unterscheidung von Subjekt und Identität können hier nicht entfaltet werden.
Offen bleiben musste im unterscheidungstheoretischen Teil dieses Essays außerdem die Möglichkeit der Nichtbeobachtung der Unterscheidung oder die Unterscheidung von Mann/Frau von anderen Unterscheidungen. Interessant wäre dieser Weg insbesondere für die Betrachtung explizit nicht-binärer Formen von Geschlecht. Ich frage mich, ob die Logik Spencer-Browns mit trinären Unterscheidungen überfordert wäre, oder ob sich hier nicht auch ein Umgang mit Differenz entwickeln lässt, der über Dualismen hinaus geht.
Nicht ausgeführt werden konnten auch die Implikationen dieser Betrachtungen für die Forschungen zum Phänomen des Maskulinismus. So würde es die Feststellung, dass der Wunsch nach Gleichheit erst in der Moderne möglich wird, erlauben, die Diskontinuität (!) des aktuellen Maskulinismus im Verhältnis zu früheren Formen patriarchaler Ideologie zu sehen.
Und gesagt werden kann außerdem nichts über den Status einer Beobachtung der Beobachtung der Beobachtung im Schema Mann/Frau. Alle BeobachterInnen produzieren durch ihre Beobachtungen einen blinden Fleck, der nur im Nachhinein zu sehen ist. Aber schon Spencer-Brown musste feststellen, dass seine Logik am Ende eine männliche bleibt.38
Vgl. Bronfen, Elisabeth. Nur über ihre Leiche. Tod, Weiblichkeit und Ästhetik. München: Verlag Antje Kunstmann, 1994, 300ff.↩
Auf Deutsch erschienen als Spencer-Brown, George: Gesetze der Form. Lübeck: Bohnmeier, 1997.↩
Vgl. Fuchs, Peter; Hoegl, Franz. „Die Schrift der Form“. In: Pörsken, Bernhard. Schlüsselwerke des Konstruktivismus, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2011, 197. Hier eine detaillierte Beschreibung der Wurzeln der LoF in der Grundlagenkrise der Mathematik und Wittgensteins Tractatus.↩
Diese Zusammenfassung folgt der Interpretation Luhmanns in Die Gesellschaft der Gesellschaft. 11. Auflage. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2022 (1998), 50-57 und „Dekonstruktion als Beobachtung zweiter Ordnung”, In ders., Jahraus, Oliver (Hg.). Aufsätze und Reden. Stuttgart: Reclam, 2001, 262-296. Siehe außerdem die Einleitung zu Baecker, Dirk (Hg.) Probleme der Form. 2. Auflage. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2016 (1993).↩
Vgl. Soiland, Tove. „Jenseits von Sex und Gender: Die sexuelle Differenz – Zeitdiagnostische Interventionen von Seiten der Psychoanalyse“. In: Fleig, Anne; u.a. Die Zukunft von Gender: Begriff und Zeitdiagnose, herausgegeben von Politik der Geschlechterverhältnisse, Band 53. Frankfurt/Main: Campus Verlag, 2014, 104f.↩
Vgl. ebd., 105-107.↩
Vgl. Rendtorff, Barbara; Kleinau, Elke; Riegraf, Birgit. Bildung – Geschlecht – Gesellschaft. Eine Einführung. Weinheim/Basel: Beltz Verlag, 2016, 10.↩
Schließlich beobachtet die Systemtheorie auch sich selbst durch ihre eigenen Unterscheidungen, siehe zum Beispiel Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, 1128ff. Ein Beispiel für den Versuch einer Psychoanalyse der Psychoanalyse in diesem Sinn ist vielleicht Rohde-Dachser, Christa. „Unbewußte Phantasie und Mythenbildung in psychoanalytischen Theorien über die Differenz der Geschlechter”. In: dies.; Mitscherlich, Margarete. Psychoanalytische Diskurse über die Weiblichkeit von Freud bis heute. Stuttgart: Verlag Internationale Psychoanalyse, 1996, 115-142.↩
Beispielhaft für diesen Schritt ist Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, 24f.↩
Luhmann, Niklas. „Frauen, Männer und George Spencer-Brown“. Zeitschrift für Soziologie 17, 1 (1988): 47–71.↩
Vgl. ebd., 51f.↩
Vgl. ebd., 53. Siehe auch Fn. 17, in der Luhmann auf die Begriffsgeschichte von „Genuss” verweist. Genuss ist hier (noch) nicht – wie in der lacanianischen jouissance – die Folge eines Verzichts, sondern gerade begründendes Element. Vielleicht lässt sich hier eine prä-ödipale Gesellschaft im Gegensatz zu Soilands postödipaler Gesellschaft konzipieren?↩
Vgl. ebd., 53f.↩
Ebd, 55.↩
Vgl. ebd., 53f. Die Funktionssysteme der funktional Differenzierten Gesellschaft stehen nur noch nebeneinander. Es gibt kein Subsystem mehr, dass die anderen kontrollieren könnte, jedes Funktionssystem wird nur durch die eigene Funktion bestimmt.↩
Vgl. Fuchs, Peter. „Die Unbeeindruckbarkeit der Gesellschaft – Ein Essay zur Kritikabilität sozialer Systeme”. In: Amstutz, Marc; Fischer-Lescano, Andreas. Kritische Systemtheorie: zur Evolution einer normativen Theorie. 1. Aufl. Sozialtheorie. Transcript, 2013, 103.↩
Vgl. Luhmann, Frauen, Männer und George Spencer-Brown, 53f.↩
Vgl. ebd., 57f, 66f.↩
Vgl. ebd., 62.↩
Vgl. ebd., 59. Luhmann antizipiert hier den Maskulinismus als „Gegenideologie” zum Feminismus, der sich aus den gleichen sozialstrukturellen Gründen auf Gleichheit als Ziel berufen kann.↩
Vgl. ebd., 57.↩
Auch wenn Baecker bisweilen schreibt, als wäre das Katjekt die einzige Form der Unterscheidung …↩
Vgl. Baecker, Dirk. Katjekte. Erweiterte Fassung. Leipzig: Merve Verlag, 2024, 17-25.↩
Vgl. ebd., 31.↩
Spencer-Brown, Gesetze der Form, IX. Zit. n. Baecker, Katjekte, 31.↩
Vgl. Luhmann, Frauen, Männer und George Spencer-Brown, 55.↩
Vgl. Beauvoir, Simone de. Das zweite Geschlecht. Reinbek: Rowohlt, 1992, 193-194.↩
Vgl. dazu die Interpretation Bronfens, Nur über ihre Leiche, 303-305.↩
Vgl. Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, 221ff.↩
Vgl. Luhmann, Niklas. Beobachtungen der Moderne. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1992. Siehe insbesondere das Kapitel “Ökologische Kommunikation”.↩
Vgl. Freud, Sigmund. “Jenseits des Lustprinzips (1920)” In: ders., Mitscherlich, Alexander u.a. Studienausgabe, Band 3. Psychologie des Unbewußten. Frankfurt am Main: S. Fischer, 1975, 246.↩
Vgl. dazu eindrücklich Metzner, Joachim. „Die Bedeutung physikalischer Sätze für die Literatur“. Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 53, 1 (1979): 1–34, 30. https://doi.org/10.1007/bf03376343.↩
Allerdings hatten schon frühe Interpretationen die Entropie nicht als zerstörerische, sondern als lebendige Kraft ähnlich zum leibnitzianischen Energieverständnis gefasst, und bis ins 20. Jahrhundert hatten Auffassungen von Entropie bestand, die sie klassizistisch-harmonisch interpretierten. Vgl. insgesamt ebd., 7f.↩
Ana Teixeira Pinto, The Pigeon in the Machine: The Concept of Control in Behaviorism and Cybernetics, In Matteo Pasquinelli (Hrsg.) Alleys of Your Mind: Augmented Intelligence and Its Traumas. Lüneburg: meson press, 2005, 30.↩
Vgl. Metzner, Die Bedeutung physikalischer Sätze für die Literatur, 24.↩
Die Situation im Ödipuskomplex ist natürlich komplexer. Es geht nicht nur um die Differenzierung des Kindes von der Mutter, sondern auch um die Bildung eines Interaktionssystems mit ihr und dem Vater, außerdem um den Eintritt in andere Kommunikationssysteme. Eine systemtheoretische Fassung des Ödipuskomplexes hätte alle diese miteinander verbundenen Prozesse zu berücksichtigen.↩
Vgl. Guattari, Felix. Chaosmose. Wien: Turia + Kant, 2014, 97.↩
Vgl. Spencer-Brown, Gesetze der Form, 69.↩