Unwissen

-zäne

Wie fast immer mit Begriffen lässt sich der des Anthopozäns nicht einer Person zuschreiben. Es wäre falsch, hier nur Paul Crutzen zu nennen. Begriffe hängen nicht nur an Personen. Die Proposition lautet, unser geologisches Zeitalter als Anthopozän zu bezeichnen, das heißt auch – nicht mehr als Holozän.

Die Idee ist dass der Mensch so mächtig wird, dass er die Erde selbst verändert – die Frage ist nur, wann genau dieser Zeitpunkt erreicht ist.

Die Unmöglichkeit einer genauen Datierung scheint der Grund dafür zu sein, dass der Begriff von der IUGS abgelehnt wurde. Aber das heißt ja gerade nicht, dass wir nicht im Anthropozän leben – nur eben, dass sein Anfang nicht genau datierbar ist.

Scott schreibt in den "Mühlen der Zivilisation", dass jede Art ihre Umwelt prägt – der Mensch nur in besonderen Ausmaß. Frühe Menschen schaffen die Lebensräume für Bisons durch Brandrodung und siedeln Fische in leicht zugänglichen Seen an. Der Eingriff in die Natur ist keine Entwicklung, die erst mit der Sesshaftwerdung oder der Industrialisierung beginnt. Die Differenz zu vorher liegt nach 1800 nur im Ausmaß und in der Bewusstheit der Eingriffe.

Der Begriff des Anthropozäns dient weniger der Bezeichnung einer erdgeschichtlichen Epoche als des Begreifens des Begreifens, dass wir in der Lage sind, die Erde grundlegend zu verändern. Es geht, anders gesagt, um eine Inszänierung des Zeitalters, in dem wir leben.

Das funktioniert natürlich auch mit anderen Begriffen als dem des Anthropozäns. Es lassen sich zahlreiche -zäne unterscheiden, die alle eine Kontingenz kommunizieren – es geht immer um die Möglichkeit von Veränderung, egal ob sie beabsichtig ist oder nicht.