Unwissen

Wir leben in der schlechtesten aller möglichen Welten

Leibnitz hatte in seiner Theodizee festgestellt, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben. Weil Gott vollkommen und gut ist kann er gar nichts unvollkommenes und schlechtes hervorbringen. Soweit so Barock, was mich daran stört ist eigentlich nur, dass diese Position von manchen – Voltaire zum Beispiel – als Optimismus bezeichnet wird.

Ein Problem wird dabei sein, dass Optimismus (oder Pessimismus) hier auf das Sein bezogen sind und damit Zeitlos gedacht werden, nach Form der Frage also, ob das Glas halb voll oder halb leer ist. Intuitiv gebraucht man die Unterscheidung von Optimismus und Pessimismus sonst eher auf mögliche zukünftige Zustände bezogen. Die Modalisierung gibt es bei Leibnitz ja durchaus (wir leben in einer aller möglichen Welten), in diesem Satz (der Rest interessiert hier nicht) fehlt aber die Perspektive auf die Zukunft. Die Unterscheidung von Optimismus und Pessimismus wie ich sie machen würde betrifft also eher die Frage, ob es besser oder schlechter wird (oder werden kann).

Allerdings könnte der Bezug auf die Zukunft selbst schon als Optimismus verstanden werden. Žižek erzählt irgendwo einen Witz, der ungefähr lautet: "Der Pessimist sagt es sei alles schlimm, der Optimist antwortet keine Sorge, es kann noch viel schlimmer werden."

Vielleicht lohnt es sich aber, die Frage nach der Möglichkeit von Veränderung zu ignorieren und davon auszugehen, dass es irgendwie weitergehen wird. Eine wirklich optimistische Position findet sich dann aber gerade in Sätzen, die eher masochistisch klingen. Jessy Murph singt:

We're never gettin' out of here
Tell me what I wanna hear
That everything is better when it hurts
And it couldn't be, couldn't be, couldn't be, couldn't be worse

Warum sollte man als Reaktion auf die Erkenntnis, dass man hier nicht rauskommt, hören wollen, dass es nicht schlechter sein kann? Vielleicht weil dann nur noch das Gegenteil möglich ist? Weil es, wenn wir in der schlechtesten aller möglichen Welten leben, nur besser werden kann?

Man könnte hier noch Gramsci zitieren, aber das würde zu gut passen. Morgen habe ich meine theoretische Führerscheinprüfung, ich bin … optimistisch.