Unwissen

Abbruch

Dass dieser Post nur 725 Wörter hat verrät vielleicht schon, worauf sich der Titel bezieht. Das Experiment findet sein vorzeitiges Ende, ich kehre zu ge- und bekannteren Formen zurück, jedenfalls ein bisschen.


Habe in den letzten Tagen ein bisschen pausiert. Vor allem, weil ich mir Gedanken darüber gemacht habe, dass es sich manchmal ein bisschen seltsam anfühlt, diese 1000 gekotzten Wörter einfach so zu posten. Ich zweifle nämlich nicht nur am Mehrwert des Ganzen für andere – für mich ganz persönlich lohnt sich dieses regelmäßige, schnelle Schreiben vermutlich schon – sondern auch daran, ob es überhaupt eine gute Idee ist, solche ungeglätteten, nicht-noch-einmal-überdachten Texte zu posten.

Ich weiß auch nicht genau was meine Sorge dabei ist. Dass ich irgendwann mal etwas sehr dummes schreibe, zum Beispiel (etwas sehr dummes würde mir aber doch auffallen?). Und vielleicht auch, dass war ja mal ein Argument für dieses Experiment, dass der Wert einzelner Texte abnimmt.

Die Hoffnung, dass bei hohem Output nicht mehr "alles an einem Text hängt" ist immer noch da und immer noch berechtigt, aber ich bin mir eben nicht sicher, ob diese extreme Inflation nicht zum Gegenteil führt? Die Informationsdichte der Texte insgesamt verwässert ja total, wenn man davon ausgeht, dass – wie hier – ständig Redundanzen vorkommen und dass so ein stream-of-conciousness Text eben von sich aus schon weniger dicht ist als andere, die geplanter ausfallen.

Allerdings ist oder war der Sinn dieser Texte ja auch, MIR einen Raum zu geben um zu üben, meine Gedanken in eine Form zu bringen (und wenn es darum geht, dass ich etwas über mein denken lerne, dann ist die Informationsdichte ja relativ hoch). Aber schreiben ist eben immer auch schreiben für andere, und jemand anderes – das muss man vielleicht betonen bei einem Blog der an guten Tagen von so 5 bis 10 Personen gelesen wird – ist auch mein zukünftiges ich, das diese Texte irgendwann noch mal ließt und hofft, etwas verwertbares zu finden. Nur muss ich in der Gegenwart die Texte dazu ja nicht veröffentlichen. Die Frage, die ich mir stellen muss ist also vielleicht weniger, ob ich regelmäßig 1000 sehr schnelle Wörter schreiben sollte, sondern eher, ob es etwas bringt, sie zu "veröffentlichen" – eine richtige Öffentlichkeit ist das hier ja nicht.

Und die 1000-Wörter-Grenze ist auch völlig arbiträr ist. Oft habe ich schon nach 500 Wörtern alles gesagt, was ich sagen wollte und dann bin ich gezwungen irgendetwas zu halluzinieren. Vielleicht entsteht gerade dabei Interessantes, trotzdem ist dieses "ins Schwimmen kommen" ja etwas, das man tendenziell zu vermeiden versucht. Und 1000 Wörter kommen mir für einen Blogpost auch ziemlich lang vor?

Es ist natürlich ein bisschen peinlich an so einen Punkt zu kommen und nicht mal 10% der 1000000 Wörter geschrieben zu haben. Aber wie gesagt – der Mehrwert des Teilens dieser Texte scheint mir eher begrenzt zu sein.

Klar ist aber, dass ich in den letzten zwei oder drei Monaten so viel geschrieben habe wie noch nie zuvor. Ich weiß nicht, ob das irgendwelche messbaren Effekte hat, aber mir hat in den letzten Wochen zweimal jemand gesagt, dass ich etwas schön ausgedrückt hätte. Das ist vorher auch nicht nie passiert, aber nie so häufig (naja).

Vielleicht muss dieses Experiment zu etwas anderem werden. Ich weiß nicht ob es reicht, nur den Rhythmus zu ändern (die Kadenz meiner Posts ist ja sowieso deutlich langsamer geworden von den fast alle-zwei-tägigen Posts im Juni). Vielleicht verabschiede ich mich auch von der 1000-Wörter Aufgabe? Das muss ja nicht heißen, dass ich es mir verbiete zu schnell zu viel zu schreiben und es dann trotzdem zu teilen. Wenn ich eins nicht möchte, dann wieder zurück zu dem extremen Anspruch, der sowohl das Schreiben, als auch das Posten verhindert hat.

Ich möchte mir wieder mehr Zeit für meine Texte nehmen und trotzdem mehr und schneller schreiben. Ein (implizites – ich weiß gar nicht, ob ich jemals geschrieben habe, dass ich tatsächlich 1000x1000 Wörter schreiben will (gesagt habe ich es nämlich, und dieser 1000x1000 Tag den ich gleich löschen werde kommuniziert sowas ja auch) – Ziel zu haben, auf das ich hin arbeiten konnte oder musste hat mir und meinem Denken gut getan. Vielleicht ist ein Post mit 500 Wörtern pro Woche ein Vorsatz, der sich leichter und länger erfüllen lässt, als deutlich regelmäßigere 1000-Wörter-Wordvomits. Und eine höhere Informationsdichte (damit muss ich echt aufhöhren) haben solche Posts wahrscheinlich auch. Was ja nicht heißen muss, dass sie nicht gekotzt wurden.

#wordvomit